Was ist bei uns 2020 passiert

Alle Jahre wieder!

Im letzten Jahr haben wir die neue Webseite (vielen Dank Sandra!) online geschaltet und uns vorgenommen regelmässig den Blog zu bedienen. Aber wie das Leben so spielt…. Der Wille war da…..

Nun ist ein Jahr vergangen und wir haben viel erlebt. Die Gemeinschaft ist gewachsen und auch wieder kleiner geworden. Im Dezember 2019 waren wir 9 Leute, im Mai 2020 hatten wir 11 Mitglieder und Interessierte und im Moment sind wir 4. Es gibt viele Anfragen, aber es muss passen. Jeder bringt sein Päckchen mit Fragen, Altlasten, Problemen etc.pp mit. Nicht immer sind die Vorstellungen mit unseren Grundsätzen vereinbar und das Leben im Wald ist auch nicht jedermanns Sache. Wir sind optimistisch, unsere Gemeinschaft wachsen zu lassen aber in der Ruhe liegt die Kraft.

Wir haben festgelegt, dass jeder der ernsthaft den Gedanken hat zu uns zukommen, 4 Wochen Probewohnen muss. Danach entscheidet die Gemeinschaft über sein Bleiben …..oder auch Gehen.

Was im letzten Jahr alles passiert ist, lest Ihr am besten in Sigrids Jahresbericht.

Auf ein Neues (hoffentlich nicht wieder mit so langen Pausen)

In der nächsten Zeit stellen wir auch Fotos online, im Moment müssen Sie aber noch sortiert werden.

Jahresbericht von Sigrid:

Ein herzliches „HALLO“ Euch da draußen – in SA, Bln und Umgebung, MV, USA                                                                                                                                                                                                                          Weihnachten 2020 

Ein teils turbulentes, teils zwangsruhiggestelltes Jahr geht zu Ende, mein erstes Jahr in Seltz. Wo soll ich anfangen?

Ich werde rückwärtsgehen, bis zu einem noch unbeschwerten Jahreswechsel 2019/2020!

Dezember 2020: Meine Gefühle sind momentan sehr gemischt – einmal Ärger über das „geklaute Leben“: keine Freunde, keine Kultur, keine Unternehmungen; die Befürchtungen, eine lange Zeit mit der Maske leben zu müssen und mit der Bedrohung einer Infektion. Zum anderen die Freude über ein gemütliches Heim, ein schönes familiäres Verhältnis in der WG, erfüllende selbstgewählte Aufgaben und wenig Alters-Zipperlein,  viiiiiel Natur um uns rum. Die Vorfreude auf Weihnachten hält sich in Grenzen, schade. Vor einigen Tagen hatte ich zwei Meisen im Badezimmer. Sie schlüpften durch ein gekipptes Fenster.  Ich musste erst das Fensterbrett von Pflanzen freiräumen, sie flatterten immerzu gegen die Scheiben, das tat mir mehr weh als ihnen. Durch das offene Fenster flog eine raus, die andere inspizierte inzwischen mein Wohnzimmer. Schließlich suchte auch sie das Weite, wahrscheinlich beide mit Brummschädeln. Ein Andenken haben sie mir hinterlassen – sie kackten auf die Klopapierrolle – stubenrein!

Oktober/November: Ich habe es genossen, mit meinem Ältesten zu quatschen, um die Ecke Pilze mit ihm zu suchen und sie auch noch vorgesetzt zu bekommen. Und ich bewunderte seine Geduld, meinen uralten, langsamen Laptop stundenlang auf Vordermann zu bringen.

Am 18. Oktober weihten wir unseren „Treffpunkt“ mit einem öffentlichen Flohmarkt ein – mit strengen Hygienemaßnahmen. Die Kanzlerin appellierte einen Tag vorher, sich zuhause einzukapseln – trotzdem hatten wir am Ende des Tages einen schönen Stoß ausgefüllter Meldezettel, leere Kuchenteller und Freude an den Besuchern.

Weil wir die Nase voll hatten von ungebetenen motorisierten Besuchern (wir wollen nur mal gucken, wir wollen Walnüsse sammeln, mein Vater lebte hier im Heim, vielleicht kann man was abstauben), wurde schließlich ein entsprechendes Verbotsschild aufgestellt.

Am 8. 10. konnte ich den ersten selbstgebrauten Met aus Honig von Martinas Bienen verkosten lassen – Prost! Zusätzlich zu drei Sorten Kartoffeln wurde Feldsalat, Sellerie und eine mehr als 700 g schwere Aubergine im großen Gemeinschaftsgarten geerntet. Und 300 Flaschen Saft aus aufgesammelten Äpfeln und Birnen eingebunkert.

September: Mein Frühsport – Walnüsse aufsammeln, eimerweise! Äpfel und Pflaumen, aus denen Mus gekocht wurde und Rote Bete, aus denen ein herrliches Chutney kreiert wurde. Auf den Heizkörpern trocknen Waldpilze, ein luftiges Zimmer zum Trocknen von Kräutern wird eingerichtet. Das Fundament für das lagernde Gewächshaus wird erstellt.

Juli/August: Wie jedes Jahr besuchen uns Gruppen aus einer Behinderteneinrichtung für eine Urlaubswoche. Da ist richtig Leben in der Bude im Gemeinschaftshaus. Mich nehmen sie auf die Ausflüge als unterstützende Begleitung mit. So lerne ich den Bärenwald Nähe Waren, das Müritzeum, Schiffstouren auf der Müritz und vieles andere kennen. Wir haben viel Spaß!

Ich bekomme lieben Besuch aus Schwerin und überraschenden aus Burg. Alle sind sehr angetan von dem, was sie hier sehen und erleben.

Mai/Juni: Ich bekomme ein eigenes Gemüsebeet und eine kleine Terrasse direkt am Haus! Rasen wird abgehoben, der Boden gefräst. Ich hole mir schwarze Erde aus dem Wald, pflastere die Begrenzung mit einer Reihe Bodenplatten und säe, was mir unter die Finger kommt. Und muss nun noch mehr Gießkannen schleppen, denn es regnet einfach nicht. Die Rabatten und Beete der Anlage werden alle zwei Tage mit gefühlt einhundert Kannen Wasser gegossen….. Da genieße ich den Schwimmteich, den wir alle gemeinsam von Algen befreien. Aus herrlich duftenden Hundsrosen wird Sirup gekocht und aus Löwenzahnblüten wird Likör angesetzt und ein goldgelber, sehr aromatischer Honig gebraut. Ich werde mobil: ein schicker faltbarer Roller wie aus Kindertagen, aber mit Vollgummireifen und Bremse. Alle probieren ihn begeistert aus und staunen über die Geschwindigkeit. So bin ich viel schneller im großen Garten. Unsere wöchentliche Dienstagsrunde verlegen wir öfter auf die Sonnenterrasse des Gemeinschaftshauses zum Grillen.

März/April: Ich pflastere einen Teil meines Hangs am Haus mit Feldsteinen aus dem Wald. Bepflanzt wird mit Monatserdbeeren, Thymian und Steingartenpflanzen. Wilder Mohn, der sich selbst ausgesät hat, ist ein schöner Kontrast. Am 23. und 27. je eine Gemeinschaftsaktion – große Feldsteine mit Traktor und Anhänger für den Gemeinschaftsgarten und alle Mann Kartoffeln setzen.

Olaf kennt einen verlassenen, völlig verwilderten Garten mit ausgedehnten Bärlauchvorkommen und duftenden Veilchen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen.  Mit Sack und Pack fahren wir zum Ernten.Später fahre ich mit Besuch aus Schwerin nochmal hin. Am 15. April muss eine alte Eiche auf dem Gelände gefällt werden. Sie neigt sich gefährlich Richtung Parkplatz. Allerdings zerstört sie beim Fallen einige Thujas, die dann auch noch entfernt werden. Später säe ich dort Phacelia und Sonnenblumen. Mit Sandra erkunde ich ein Gelände an einer Wassermühle. Biber haben dort einen ausgedehnten See gestaut. Ein wunderschöner hügeliger Wald, der aussieht wie aufgeräumt. Olaf erklärt mir später, dass die Biber jeden abgefallenen Ast für ihre Burgen wegschleppen. Um nicht den ganzen Weg zurücklaufen zu müssen, müssen wir den Goldbach überqueren. Also Schuhe und Strümpfe aus, Hosen hochgekrempelt und mit Hilfe von Sandra und Spazierstöcken durch den knietiefen Schlamm gewatet – ein Heidenspaß! Höre ich da jemanden sagen: je öller – je döller!? Abends Nähmaschine raus – Masken nähen!

Am 30. März kurzer Wintereinbruch – morgens liegt auf dem Gelände eine hauchzarte Schicht Schnee, ganz malerisch. Aber mittags ist dann alles weg. Die Männer drängen sich darum, mit der neuen Gartenfräse den Kartoffelacker durchzuarbeiten. Als Belohnung nachmittags Lagerfeuer mit Stockbrot, reichlich Fleisch und Salat. Und Bier!

Mitte März werden die langen Hügelbeete nach Olgas Anweisung fertiggestellt, die bereits im November angelegt wurden. Erste Schicht Pappe, dann Sträucher und Äste und Mutterboden. Ein ganzer Tag Arbeit für alle.

Peter und ich fahren nach Banzkow ans Haff. Wir lassen uns durchpusten, sein Hund Moppele spielt mit dem Schaum, und wir belohnen uns mit Schokoladentorte und Kaffee.

Januar/Februar: Martinas Enkeltöchter filzen mit mir große Blüten und sind sehr stolz darauf.

 

Anfang Februar wird die alte Küchenzeile abgebaut, die Wände der Wohnküche orange! gestrichen und die Kommoden von Ikea aufgestellt, das sieht gleich viel wohnlicher aus und ist sehr praktisch. Am 18.2. treffen wir uns alle im Wald zum Holzfällen – mit Lagerfeuer und Teeausschank. Nachmittags sind wir ziemlich kaputt.

Im Januar ist es sehr ruhig, die Unermüdlichen bereiten den Gemeinschaftsgarten vor.

Weihnachten und Jahreswechsel:

Heiligabend haben wir Nachbarn eingeladen zur festlichen Tafel. Wir speisen zu Zwölft, Essen aus aller Herren Länder. Jeder steuert etwas dabei. Es ist sehr lebhaft und eine gute Stimmung. Keiner ahnt, was das kommende Jahr verändern wird. China ist weit weg…  Martinas Familie und Freunde trudeln nach und nach ein, das ganze Gemeinschaftshaus ist belegt. Es wird ein sehr lustiges Silvester mit Spielen, Tanzen, Sketchen und einer kleinen Komödie von Olga und mir. Ein großes Buffet mit deutschen und russischen Gerichten (in einer Gemeinschaftsaktion wurden am Vortag viele, viele Pelmenis hergestellt) und einem gebackenen kleinen Wildschwein sorgte für eine gute Unterlage. Nach zwölf ging’s nach draußen zum Lagerfeuer mit Gitarrenklängen, Gesang und reichlich Alkohol!

November/Dezember 2019: Besinnliches Konzert in Olafs Kirche in Wolde am 7. Dezember. Die hat er vor dem Verfall gerettet und mit jahrelangem Einsatz für solche Gelegenheiten hergerichtet. LED-Lichter wiesen den Weg vom Dorf zum Kirchenhügel. Die Veranstaltung war gut besucht, die Stimmung gelöst. Es wurde teilweise mitgesungen, vereinzelt auch getanzt. Ob da der ausgeschenkte Glühwein mitgeholfen hat?

Ende November besuchte uns die Gruppe aus der Behinderteneinrichtung. Es wurden Plätzchen gebacken, Gestecke aus Tanne gebastelt und Sterne aus Filz mit Perlen und Glitzer beklebt. Es ging zu wie in einem Taubenschlag!

 

Über Ebay-Kleinanzeigen komplettiere ich meine Möblierung durch eine süße kleine schwarze Ledercouch (12 EURO) und ein reizendes Vertiko (25 EURO) – vom Sperrmüll gerettet und genau das, was ich suchte.

Oktober 2019: Einzug am 12. 10.  Frank kommt am nächsten Tag aus Berlin, um mein Bett und den Kleiderschrank aufzubauen. Was habe ich nicht alles mitgenommen!!! Mit Peter und Olga und einem großen LKW wird zwei Wochen später der Rest abgeholt.

Dann beginnt mein neues glückliches Leben…

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